Weather-Basic-Care -- D E M O
Blick aufs Wetter von Baden-Württemberg und Deutschland
Die Daten werden vom Deutschen Wetterdienst bereitgestellt.
Heute ist Freitag, 23. Januar 2026 - 00:43 Uhr
Synoptische Übersicht - Mittelfrist
ausgegeben am Donnerstag, den 22.01.2026 um 10.30 UTC
Wetterzweiteilung mit kaltem Osten und eher mildem Westen. Dabei wechselhaft, im Osten am Montag markanter Neuschnee möglich.
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 29.01.2026
"Deutschland doch wieder geteilt!" - Mit Blick auf die ab Sonntag beginnende Mittelfrist lässt sich eine Zweiteilung bei den Temperaturen feststellen: Im Osten kalt bis mäßig kalt, womit zeitweilige Niederschläge meist als Schnee fallen, im Westen mäßig-kalt bis mild und teils Regen. Eines eint die Deutschen aber: In den Nächten ist verbreitet leichter bis mäßiger Frost zu erwarten.
Die Mittelfrist wird geprägt von einer zwischen Island und Skandinavien liegenden Höhenantizyklone, die im Verlauf zwar von Trögen traktiert, dadurch aber nicht gänzlich getilgt wird. Hoher Bodendruck über Island und eher tiefer über den Azoren bewirkt eine leicht negative NAO. Tröge werden um das Höhenhoch herum auf eine südliche Bahn Richtung Mitteleuropa gelenkt, zwei davon bilden die Hauptakteure der ab Sonntag beginnenden Mittelfrist.
Am Sonntag liegt der erste Höhentrog vor den Toren Mitteleuropas und erstreckt sich mit mehreren Drehzentren von den Britischen Inseln bis nach Tunesien. Die Frontalzone ist damit weit nach Süden verschoben. Deutschland profitiert meist noch von schwachem Hochdruckeinfluss, erst zum Abend hin machen sich die Aufgleitprozesse eines neuen Tiefs über dem Balkan bemerkbar. Dieses lenkt feuchte Luftmassen nach Deutschland, sodass von Südosten bei T850 hPa von 0 bis -5 Grad und kräftiger WLA Schneefälle aufkommen, in den Niederungen ist zum Teil Regen dabei.
Am Montag wird dieses Tief auf Vb-ähnlicher-Zugbahn mit dem leicht progressiven Trog über Tschechien nach Polen geführt. Um das Tief herum wird weiterhin feuchte Luft nach Deutschland gebracht, sodass es außer im Nordwesten zu Schneefällen kommt, in den westlichen Niederungen auch zu Regen oder Schneeregen.
Am Dienstag schwenkt der Trog unter Abflachung in die Ostsee, das zugehörige Tief zieht von Polen ins Baltikum. Die feuchten Luftmassen werden damit im Tagesverlauf über den Nordosten Deutschlands abgeführt, sodass dort letzte Schneefälle nachmittags nachlassen. Gleichzeitig richtet sich der Blick aber auch schon wieder nach Westen. Der kurze Zwischenhocheinfluss im Bereich eines flachen Rückens wird rasch durch den Rücken überlaufende WLA sowie der Ankunft des zweiten Langwellentrogs vom Nordostatlantik beendet. Letzterer führt ein weiteres Bodentief zum westlichen Ärmelkanal, dessen Warmfront mit Niederschlägen in den Abendstunden auf den Südwesten Deutschlands übergreift. Die T850 hPa steigen auf über 0 Grad, womit anfänglicher Schnee häufiger in Regen übergeht.
Am Mittwoch kommt der Trog bis zu den Britischen Inseln voran, das Bodentief zieht derweil unter Abschwächung in die südwestliche Nordsee. Die Warmfront erreicht bis zum Abend der Nordosten, die Kaltfront dringt nachmittags in den Westen ein. Während im Warmsektor die T850 hPa vorübergehend auf knapp 0 Grad steigt, sinkt sie postfrontal wieder auf bis zu -3 Grad. Im Osten und im Bergland fällt meist Schnee, sonst geht der Schnee zum Teil in Regen über.
Am Donnerstag überquert der Trog mit einem Anteil den Nordosten Deutschlands, gleichzeitig wird er aber durch einen weiteren vom Nordostatlantik kommenden Randtrog regeneriert. Das Tief über der Nordsee löst sich dann auf, die Reste der Ausläufer wandern mit letzten Schneefällen über den Nordosten Deutschlands ab. Mit einem weiteren Tief über den Britischen Inseln erreicht in den Abendstunden eine neue Warmfront den Südwesten Deutschlands. Die T850 hPa steigen erneut auf etwa 0 Grad, sodass anfänglicher Schnee meist wieder in Regen mündet.
In der ab Freitag beginnenden erweiterten Mittelfrist steuern Trog und Tief Mitteleuropa an. Während im Warmsektor die T850 hPa vorübergehend auf nahe oder knapp über 0 Grad steigen, kühlt es sich postfrontal auf -3 bis -7 Grad ab. Mit einem schmalen, nach Island aufragenden Rücken, der Verbindung aufnimmt zur immer noch vorhandenen Höhenantizyklone, scheint sogar eine Blockierung auf dem Nordostatlantik möglich, was die winterlichen Optionen erhöhen würde.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bereits zum Beginn der Mittelfrist zeigen sich für uns relevante Unterschiede, sodass die Konsistenz der jüngsten 3 Läufe des EZMW nur mäßig ist. Das betrifft vor allem das Tief, das anfangs der Woche auf Vb-ähnlicher Zugbahn zur Ostsee zieht, in den Vorläufen allerdings schwächer und früher auflösend gerechnet wurde. Die Schnee- und Regenfälle breiten sich daher nun weiter in den Westen und Südwesten aus, der Nordwesten bleibt aber ausgenommen. Am Mittwoch sieht die Entwicklung dann vorübergehend wieder ähnlicher aus, bevor ab Donnerstag die Unterschiede deutlicher zunehmen. Das neue Tief über den Britischen Inseln wird im jüngsten Lauf kräftiger und sogar als Sturmtief gerechnet, das ab Donnerstagabend mit seinen Ausläufern Deutschland erfassen soll. Im gestrigen 0 UTC-Lauf griffen die Ausläufer etwa 12 bis 18 Stunden später auf Deutschland über.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
UK10 und GFS liefern am Montag und Dienstag zwar ähnliche Strukturen wie das EZMW, lassen die feuchten Luftmassen aber nicht ganz so weit nach Westen und Südwesten ausgreifen. Beim zweiten Trog ab der Wochenmitte gibt es nur Einigkeit dahingehend, dass er kommt. In den Details werden allerdings größere Diskrepanzen sichtbar mit Auswirkungen auf das Wettergeschehen hinsichtlich des genauen zeitlich-räumlichen Ablaufs. Die Temperaturen bewegen sich allgemein auf ähnlichem Niveau wie das EZMW, eine deutlichere Abkühlung in Richtung Einwinterung bis ins Tiefland zeichnet sich nicht ab.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
RAUCHFAHNEN: Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles sehen für diverse deutsche Städte insbesondere bei den T850 hPa recht zappelig aus, wobei der Hauptlauf meist im Median verbleibt, sich die Kurven aber bereits ab Sonntag öffnen und zum Ende hin immer breiter streuen. Das untermauert zwar eine gewisse Vorhersageunsicherheit, die jedoch hauptsächlich von Ausreißern ausgeht. Niederschlagssignale sind ab Montag häufiger vorhanden, was den Trogeinfluss bestätigt.
CLUSTER: Im zweiten Zeitschritt zwischen Dienstag 0 UTC und Donnerstag 0 UTC werden 3 Cluster benötigt (alle NAO-). In C1 (mit Haupt- und Kontrolllauf und 26 Mitgliedern) findet sich die Entwicklung des Tiefs auf Vb-ähnlicher Zugbahn wieder, in C2 (19 Mitglieder) wird das Tief schwächer, in C3 (6 Mitglieder) östlicher gerechnet. Die Auswirkungen auf Deutschland sind daher unsicher, vor allem das Ausgreifen der Niederschläge nach Westen und Südwesten (Ergebnis wurde ja auch schon bei UK10 und GFS gefunden). Im dritten Zeitschritt zwischen Donnerstag 0 UTC und Sonntag 0 UTC (erweiterte Mittelfrist) gibt es ebenfalls 3 Cluster (weiterhin NAO- dominant). Im neuen Trog zeigen sich zwar im Detail räumlich-quantitative Unterschiede, am Übergreifen des Trogs Richtung Mitteleuropa bestehen allerdings keine Zweifel. Zum Ende hin wird die Aufwölbung eines Rückens Richtung Island interessant, die aber nur in C2 mit 19 Mitgliedern stärker bestätigt wird. In den anderen beiden bleibt es bei Ansätzen, die sich nicht durchsetzen können.
FAZIT: Die Mittelfrist gestaltet sich wechselhaft mit einer Temperaturzweiteilung: Im Osten kalt bis mäßig-kalt, dazu Niederschläge meist als Schnee, im Westen mäßig-kalt bis mild und teils Regen. Mit dem neuesten Lauf des EZMW zeigt sich außerdem zum Wochenstart ein Tief auf Vb-ähnlicher Zugbahn, was dem Osten am Montag sogar gebietsweise markanten Neuschnee bringen könnte. In der erweiterten Mittelfrist ist mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 % eine Blockierung über dem Nordostatlantik bis nach Island möglich, was Fantasie für winterliche Optionen bei uns lässt.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
SCHNEEFALL: Am Montag sind im Osten und Südosten gebietsweise um 10 cm Neuschnee in 12 Stunden gering wahrscheinlich.
GLATTEIS/GLÄTTE: Im Übergangsbereich der Luftmassen ist bei Niederschlägen an fast allen Tagen örtlich gefrierender Regen möglich. Darüber hinaus ist bei nächtlichem Frost markante Glätte durch Überfrieren nicht ausgeschlossen.
Basis für Mittelfristvorhersage MOSMIX, EZMW, EZMW-ENS
VBZ Offenbach / Dipl.Met. Simon Trippler