Synoptische Übersicht - Mittelfrist
ausgegeben am Montag, den 02.02.2026 um 10.30 UTC
Im Norden lebhafter östlicher Wind und an exponierten Küstenabschnitten einzelne stürmische Böen Bft 8 nicht ausgeschlossen.
Am Donnerstag vom Südosten über Mitteldeutschland bis in den Norden ausgreifend Schneefälle, dabei lokal mehr als 5 cm Neuschnee in 6 Stunden wahrscheinlich. Auf der Rückseite des Schneefallgebietes Übergang des Schnees in Regen, dabei lokal gefrierender Regen nicht ausgeschlossen.
In der Nacht zum Samstag von Südwesten Regen, Ausgreifen nach Nordosten noch sehr unterschiedlich simuliert. Mit möglichem Ausgreifen der Regenfälle aus dem Südwesten in die Mitte sowie den Südosten und Nordwesten gefrierender Regen mit Glatteis wahrscheinlich, Unwetter möglich.
Im Nordosten anfangs sehr verbreitet, am Wochenende dann nur noch lokal leichter Dauerfrost.
Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 09.02.2026
Am Donnerstag und in der Nacht zu Freitag liegt ein weitgehend zonal orientierter Langwellentrog über Mitteleuropa, dessen Achse von den Alpen kommend nach Norden schwenkt und zum Freitagmorgen die Nord- und Ostsee erreicht. Dabei zeigt sich im 850er Temperaturniveau eine Zweiteilung zwischen dem mit 0 bis 4 Grad recht milden Süden und Südwesten sowie dem 0 bis -5 Grad kühleren Rest des Landes, wobei die niedrigsten Temperaturen von den Modellen an der Grenze zu Dänemark erwartet werden. Im Bodendruckfeld bildet ein Trog das Pendant zum o. e. Höhentrog, im Tages- und Nachtverlauf wird der Bodentrog vom Höhentrog überlaufen, was die Hebungsprozesse tendenziell dämpft. Dennoch treten auf der Vorderseite des Trogsystems Niederschläge auf, die aus dem Südosten und der Mitte in den Norden ziehen, in der zweiten Nachthälfte ist davon nur noch das erweiterte Ostseeumfeld betroffen. Weit überwiegend soll dabei Schnee fallen, lokal können bis um 5 cm Neuschnee zusammenkommen, erst mit dem Abklingen der Niederschläge und der damit verbundenen Milderung in 850 hPa bildet sich eine warme Nase aus, so dass dann auch gefrierender Regen denkbar ist - speziell in den Nachtstunden in der zentralen und östlichen Mitte. Dies gilt nicht nur wegen der bodennahen Kaltluftschicht, sondern auch wegen der kalten Böden, immerhin bleibt es nur im Westen und Südwesten lokal frostfrei, ansonsten liegen die Minima bei -1 bis -6 Grad. Der Wind weht überwiegend schwach bis mäßig, im Norden ist er frisch, an exponierten Küstenabschnitten sind steife, eventuell auch einzelne stürmische Böen (Bft 7, eventuell Bft 8) aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen zu erwarten. Fehlen noch die Tageshöchstwerte: In der Südwesthälfte positive Maxima mit Spitzenwerten im Südwesten und Westen von lokal bis 7 Grad, in der Nordosthälfte bei -3 bis 0 bis Grad Dauerfrostig. Dabei dominieren die Wolken, länger sonnig wird es nur an den Alpen, im Südwesten und Westen kann sich die Sonne zumindest phasenweise zeigen.
Am Freitag und in der Nacht zum Samstag dreht sich ein (zeitweise mehrkerniges) Tiefdruckgebiet vor der Südwestküste Irlands ein. In der Höhe korrespondiert mit diesem ein Höhentief, ebenso wie das Bodentief kommt es aber nicht wesentlich nach Osten voran, vielmehr scheint es in der Gesamtschau eher eine retrograde Verlagerung aufzuweisen. Das Bodentief bildet mit einem Tief über dem Golf von Genua, welches im Tages- und Nachtverlauf über die Adria hinweg nach Südosteuropa zieht, erneut eine Tiefdruckrinne aus. Allerdings beginnt diese Rinne ausgerechnet über dem Süden und Südwesten Deutschlands zu schwächeln, mit dem Abziehen des Genuatiefs kann der Druck im gesamten Vorhersagegebiet sogar wieder leicht steigen. Folglich fallen die Niederschläge, die mit der Rinne verbunden sind und die bis Samstagmorgen vom Südwesten bis in die Mitte ausgreifen, nicht allzu kräftig aus, lokal können allerdings über die Andauer des Gesamtereignisses um 5 mm zusammenkommen. Bei 850er Temperaturen von 0 bis +3 Grad (was in der Südwesthälfte Maxima von 3 bis 10 Grad, im Breisgau bis 12 Grad erwarten lässt) ist dabei tagsüber Regen angesagt, allenfalls der Feldberg im Schwarzwald oder die Alpen sehen auch ein paar Flocken. In die Nacht hinein bedeutet das allerdings bei frostigen Minima in einem breiten Streifen vom Nordwesten in den Südosten eine deutlich steigende Gefahr von gefrierendem Regen! Im Ostseeumfeld ziehen die Niederschläge des Vortages bzw. der Vornacht ab, dann bleibt es dort, ebenso wie in einem breiten Streifen von der Nordsee und dem Emsland bis nach Sachsen und zur polnischen Grenze, trocken. In diesen Regionen liegen die Höchstwerte nur bei 0 bis 3 Grad, lokal hält sich auch am Tage der Frost. Die größten Chancen auf Wolkenlücken gibt es am Nordrand der Mittelgebirge - und an den Alpen, wenn die Niederschläge durchgezogen sind. Trotz des leicht steigenden Drucks über Deutschland bleibt der Gradient im Norden scharf aufgestellt, was an einem stabilen Hoch über Südskandinavien liegt, das sich im Verlauf etwas kräftigt und damit den Druckanstieg über Deutschland kompensiert. Somit sind an exponierten Küstenabschnitte weiterhin Böen um Ost der Stärke 7 nicht ausgeschlossen. Die damit verbundene Durchmischung reicht aber nicht für eine frostfreie Nacht. Die gibt es nur im Westen und Südwesten, sonst liegen die Minima bei 0 bis -4 Grad.
Am Samstag und in der Nacht zum Sonntag ändert sich die Situation nicht grundsätzlich. Die Geopotentialgegensätze sind gering, im Bodendruckfeld halten sich im Südwesten die Reste der Rinne, nach Nordosten zu macht sich das Skandinavienhoch bemerkbar. Es greift sogar noch etwas weiter nach Süden aus, so dass in den Norden, die Mitte und den Südosten wieder vermehrt Kaltluft einsickern kann. Am Sonntagmorgen liegen die 850er Temperaturen dann nur noch im Südwesten über 0 Grad, ansonsten reicht die Spanne von 0 bis -5 Grad (mit den niedrigsten Werten im Osten und äußersten Norden). Die Niederschläge, die sich noch von den Alpen und Ostbayern bis in den Nordwesten tummeln, lassen nach, nach Südwesten sollte es weiterhin Regen geben, je weiter man nach Nordosten kommt, desto wahrscheinlicher wird der Schnee, eventuell ist auch wieder gefrierender Regen mit dabei. In den Nordosten werden von Polen her mit der Kaltluft auch schwache Schneeschauer advehiert. Dort wo Schnee fällt sind die Neuschneemengen meist gering. Die Tagesmaxima liegen im Nordosten gebietsweise zwischen -1 und 0 Grad, sonst sind des in der Nordosthälfte 0 bis 3 Grad, im übrigen Land 4 bis 9 Grad, im Breisgau bis 11 Grad. Nachts liegen die Minima im Nordosten bei -5 Grad, im Westen und Südwesten lokal bei 2 Grad. Der Wind an den Küsten bleibt uns erhalten.
Vom Sonntag bis in die Nacht zum Dienstag startet der Tiefdruckkomplex vom nahen Ostatlantik zwar einen Vorstoß nach Europa, er wird aber vom blockierenden Hoch über Skandinavien nach Süden abgedrängt, so dass er letztendlich nach Südfrankreich vorankommt. Das gilt umso mehr, als das skandinavische Hoch sich nach Ostmitteleuropa ausweitet. Die umfangreichen Niederschlaggebiete, die der Tiefkomplex mit sich führt, können folglich nicht auf Deutschland übergreifen. Es bleibt, auch weil die Warmluftadvektion nur den Südwesten erreicht, bei einer Temperatur-Zweiteilung mit kaltem Nordosten und relativ betrachtet deutlich milderem Südwesten. Dabei ist im äußersten Norden weiterhin ein stark böiger Wind unterwegs.
Im weiteren Verlauf sollen uns erst am Mittwoch von Südwesten neue Niederschläge erreichen, der Temperaturzweiteilung tut dies aber keinen Abbruch.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des aktuellen IFS-Laufs mit den Vorläufen ist insgesamt gut. Das verharren des Tiefdruckkomplexes über dem Atlantik bis zum Wochenende, der dann folgende Vorstoß nach Südosten und damit nach Südfrankreich, all das haben der aktuelle Lauf wie auch die Vorläufe im Programm. Auch die Tiefdruckrinne bzw. die Tiefdruckrinnen, die bis zum Wochenende unser Wetter mitbestimmen, werden von den verschiedenen Läufen unisono erfasst.
Unterschiede ergeben sich im Detail z. B. bei der zweiten Tiefdruckrinne am Freitag und in der Nacht zum Samstag, die der gestrige 00 UTC-Lauf noch recht kräftig dargestellt hat und die sich demzufolge mit klaren Konturen bis in den Norden Deutschlands verlagern sollte, eine Lösung, die die jüngeren IFS-Läufe so nicht mehr anbieten und stattdessen auf eine schwache Rinne mit zeitigen Auflösungstendenzen setzen.
Am Wochenende und zu Beginn der neuen Woche hat der gestrige 00 UTC-Lauf dann auch das Übergreifen des Tiefdruckgebietes von Westen anders gesehen als dies die aktuelle Modellsicht ist. Sollte gestern das Tief zu Beginn der nächsten Woche noch den Westen Deutschlands erreichen, wird nunmehr von den Tiefs eher Südfrankreich angepeilt.
Im Detail ergeben sich aber trotz der zu Beginn des Mittelfristzeitraum recht guten Übereinstimmung unvermeidbare Unterschiede in der Verlagerungsgeschwindigkeit der Tröge und Rücken ebenso wie der Tiefs und Hochs am Boden und damit auch der Niederschlagsgebiete und in der Folge auch der Niederschlagsphase.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im globalen Vergleich werden von den Modellen einige Pflöcke recht einheitlich eingeschlagen. Da wären z. B. die Rinnen- bzw. Bodentrogstruktur zu nennen, die zu Beginn des Mittelfristzeitraumes und bis ins kommende Wochenende hinein die bodennahe Druckkonfiguration dominiert. Auch der Langwellentrog, der am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag von Süd nach Nord über Deutschland hinwegziehen soll, wird von den hier betrachteten Modellen (IFS, GFS, ICON, UK10) in ähnlicher Wiese vorhergesagt. Dazu kommt der ostatlantische (oder, mit viel Wohlwollen) Westeuropäische Tiefkomplex, der anfangs kaum nach Osten vorankommt und der erst zu Beginn der kommenden Woche den Vorstoß nach Osten auf das europäische Festland wagt. Zu diesem Zeitpunkt zeigen sich in der Zugbahn und der Verlagerungsgeschwindigkeit aber dann schon deutlichere Unterschiede (am Montagabend bei GFS eine Position über Südwestengland mit Ziel Ärmelkanal, bei IFS ein Tiefkomplex über der Biskaya und Südfrankreich). Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die großräumigen Muster der genannten Modelle insgesamt recht ähnlich aussehen.
Das Problem dabei: Die geringe Dynamik der Lage lässt die Niederschlagsfelder und die Niederschlagsintensität recht unterschiedlich aussehen. Der (von allen Modellen angedeutete) Temperaturgradient zwischen dem (milderen) Südwesten und dem (kühleren) Nordosten hat auch festen Niederschlag zur Folge, wobei dessen Ausprägung (Schnee, Schneeregen oder gefrierender Regen), seine genaue regionale Verteilung und seine Intensität noch eine deutliche Spreizung aufweisen. Es bleibt zu hoffen, dass die Modelle diesbezüglich in den kommenden Tagen noch einheitlichere Signale geben.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Im Zeitfenster +72 bis +96 Stunden liegen alle drei angebotenen Cluster durchweg in der Kategorie "Negative NAO". Dies trägt dem hochreichenden Tiefkomplex südwestlich von Irland ebenso Rechnung wie dem mal stärker, mal etwas schwächer ausgeprägten Hochdruckeinfluss über dem Nordatlantik. Einheitlich bedeutet das für Deutschland eine Lage in einem wenig dynamischen, aber von Tiefdruckeinfluss geprägten Umfeld.
Im Zeitfenster +120 bis +168 Stunden bleibt es bei 3 Clustern, und es bleibt auch dabei, dass diese durchweg in der Kategorie "Negative NAO liegen". In einer weit nach Süden verschobenen Frontalzone soll der Tiefdruckeinfluss allerdings näher rücken, was auch kurzwellige Troganteile verdeutlichen, die je nach Cluster auf der Iberischen Halbinsel oder auch im westlichen Mittelmeer wirksam sind. Unisono soll sich die WLA verstärken, was für den Südwesten eine leichte Milderung bedeutet.
Im weiteren Verlauf wird nur noch ein Cluster errechnet, der ebenfalls durchweg in der "Negativen NAO" liegt. Eine durchgreifende Wetteränderung bedeutet dies natürlich nicht, es bleibt bei der wenig dynamischen Grundkonstellation.
Die Rauchfahnen für Offenbach zeigen bei der Temperatur bis in die kommende Woche hinein ein Pendeln um die "Nulllinie", wobei die Streuung im Laufe der Zeit kaum zunimmt und insgesamt recht schwach ausgeprägt ist. Bezüglich des Geopotentiales zeigen sich auch insgesamt nur recht geringe Schwankungen.
Die Ensembles des GFS stützen weitgehend die Aussagen des IFS-Ensembles.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
WIND: COSMO-LEPS zeigt für Sturmböen an exponierten Küstenabschnitten nur sehr geringe Signale.
SCHNEEFALL: COMS-LEPS zeigt am Donnerstag in der Nordosthälfte Wahrscheinlichkeiten bis 20% für mehr als 5 mm Niederschlag in Form von Schnee, die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten steigen im Ostseeküstenumfeld zum Abend lokal auf über 30% an. Die Wahrscheinlichkeiten der ICON- oder IFS-Ensembles diesbezüglich liegen etwas unter denen von COSMO-LEPS.
GEFRIERENDER REGEN: Im Nordosten und Osten am Donnerstag Übergang von Schnee in Regen, dabei lokal gefrierender Regen mit erhöhtet Glättegefahr nicht ausgeschlossen.
In der Nacht zum Freitag nach IFS im Südwesten Regen, kaum weiter nach Nordosten ausgreifend. Nach anderen Modellen Ausgreifen der Niederschläge bis in die Mitte, den Südosten und den Nordwesten. Dabei dann verbreitet gefrierender Regen mit Glatteisgefahr, bis in den Freitag hinein anhaltend.
Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-ENS, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl.Met. Martin Jonas