Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Dienstag, den 17.02.2026 um 10.30 UTC



Winter ade!? - Ab dem Wochenende Durchbruch atlantischer Luftmassen mit deutlicher Milderung. Anfangs im Osten und Norden aber noch Glatteisgefahr!

Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 24.02.2026

Zu Beginn des mittelfristigen Prognosezeitraums am kommenden Freitag starten wir in Deutschland mit einem klassischen Zwischenhoch, nachdem zuvor noch mal ein Schwall polarer Kaltluft (T850 -2 bis -8°C) bis nach Süddeutschland vorstoßen konnte. Mit abgeschlossener 1025-hPa-Isobare und begleitendem Höhenrücken ist das Zwischenhoch sogar vergleichsweise prominent aufgestellt, was aber genauso wenig an ihrem Interregnum ändert wie die Tatsache, dass es Verbindung zum weit nach Osten Richtung Iberische Halbinsel verschobenen Azorenhoch hält. Die Tiefdruckgebiete über dem Atlantik scharren schon mit den Hufen und auch über Nordeuropa nimmt die Tiefdrucktätigkeit zu, weil sich das in der Kurzfrist noch präsente fennoskandische Hoch in die sibirischen Weiten zurückzieht. Hinzu kommt, dass sich über dem Atlantik die Frontalzone in Stellung bringt, um in Folge auch den europäischen Kontinent zu okkupieren.

Los geht´s bereits in der Nacht zum Samstag, wenn die ersten Störungen von Westen übergreifen (voraussichtlich erst eine Okklusion mit WF-Charakter, dann am Samstag eine "echte" Warmfront) und mit Hilfe eines ost-südostwärts schwenkenden Kurzwellentrogs für reichlich Hebung und entsprechende Niederschläge sorgen, die sich relativ zügig nach Osten ausbreiten. Vor allem im Norden und Osten ist dabei vorübergehend die Gefahr von gefrierendem Regen mit Glatteis gegeben. Auch Schneefall kann zeitweise noch am Start sein. Die Lösungen des komplexen Gleichungssystems "Niederschlagsphase" sind mitnichten schon festgezurrt, kommt es doch auf viele, teils wechselwirkende Faktoren an, die an dieser Stelle noch nicht näher vertieft werden sollen. Interessant sind die von IFS für den Schwarzwald und Teile des Alpenrands apostrophierten Niederschlagsmengen (30-50 l/m² innert 24 h), die auf markanten Dauerregen plus Tauwetter zumindest mal hindeuten.

Am Sonntag greift die relativ weit nördlich positionierte Frontalzone gänzlich auf den Vorhersagraum über. Zwischen hohem Luftdruck über Südwesteuropa und Tiefs über dem nahen Atlantik bzw. Skandinavien stellt sich bei uns eine vergleichsweise flotte West-Südwestströmung ein, die für weitere Fortschritte bei der am Samstag beginnenden Milderung sorgt. Bis zum Abend steigt T850 bei guter Durchmischung auf Werte um +3°C, was natürlich nicht ohne Folgen für die 2m-Temperaturen bleibt. Am Rhein dürfte es in Spitzen für vorfrühlingshafte 14 oder 15°C reichen. Aber auch im Nordosten, wo nur zwei Tage zuvor noch leichter Dauerfrost auf der Karte stand, wirken 6 bis 9°C fast linde. Regnen oder nieseln tut´s am Sonntag auch, wenn wohl auch weniger als tags zuvor.

Der Wochenanfang (Montag/Dienstag) bringt weiterhin wechselhafte und milde Bedingungen mit west-südwestlicher, nach Süden hin tendenziell leicht antizyklonaler Grundströmung, die verbreitet für zweistellige Tagestemperaturen sorgt. Einzig ganz im Norden (und natürlich in höheren Lagen) wird die 10°C-Marke sehr wahrscheinlich nicht erreicht respektive überschritten. Ob dann in der erweiterten Mittelfrist eine Trog- bzw. Tiefpassage (Tief Nordsee) mit sehr milder Vorder- und maritim-kalter Rückseite die Geschicke vor Ort bestimmen wird, wie von IFS gerechnet, bleibt abzuwarten.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Wenn man es mit den Details nicht zu genau nimmt - bei mittelfristigen Prognosen quasi ein Grundgesetz -, kann dem IFS (ECMF) eine gute Konsistenz attestiert werden. Dabei wird die Kernaussage bestätigt, die hier gestern schon an selber Stelle in die weite Welt der Wetterinteressenten gestreut wurde: Der Atlantik übernimmt! Oder anders ausgedrückt, die in diesem Winter über weite Strecken andauernde Blockierung löst sich auf, was den Weg für atlantische Systeme inklusive vorwiegend maritim geprägter, milder Luftmassen ebnet - nicht nur im Westen und Südwesten, wo das ja häufiger funktioniert hat. Auch im Norden und Osten wird die Kaltluft beginnend am kommenden Wochenende nachhaltig attackiert und schlussendlich gänzlich ausgeräumt. Es stellt sich ein wechselhafter, zeitweise windiger, an der See mitunter auch stürmischer Witterungsabschnitt ein, in dem es immer wieder zu Niederschlägen mehrheitlich in Form von Regen kommt.



Vergleich mit anderen globalen Modellen

Grundsätzlich teilen die an dieser Stelle für gewöhnlich begutachteten Globalmodelle ICON, GFS, GEM und UK10 die Meinung von IFS. Sie alle haben die Nase voll von Blockierung und präferieren allumfänglich atlantische Vorherrschaft. Dass dabei die Individualität der jeweiligen Modelle nicht zu kurz kommen darf, versteht sich von selbst. Will heißen, Phasen- und Timingverschiebungen bei Fronten, Tiefs oder Trögen sind ebenso an der Tagesordnung wie die Möglichkeit postfrontaler, stark maritim geprägter "Winterintermezzi", von denen dann aber wohl nur das höhere Bergland was hat. Interessant in diesem Zusammenhang, dass wie IFS auch GFS die Annäherung eines Höhentroges in der erweiterten Mittelfrist simuliert. Gestern wurde noch eine antizyklonale Südostlage favorisiert, die nun übrigens vom kanadischen GEM übernommen wurde. Wie in der Schule, der eine schreibt vom anderen ab. Ob´s dadurch besser wird, werden wir sehen. "Südost antizyklonal" scheint auf dem Wettmarkt aber eher weiter unten zu stehen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen sowohl beim Potenzial in 500 hPa als auch bei der Temperatur auf 850 hPa einen klaren Aufwärtstrend. Während bei T850 ganz eindeutig die bevorstehende Milderung zum Ausdruck kommt, ist der Anstieg bei Pot500 weniger einem sich bei uns etablierendem Höhenrücken als vielmehr der recht weit nördlich verlaufenden Frontalzone geschuldet. Im Laufe der nächsten Woche lässt sich bei stetig zunehmender Streuung zunächst eine Seitwärtsbewegung erkennen, bevor die Kurven zum Ende hin wieder nach unten tendieren (bei dann allerdings ziemlich hoher Spreizung). Begleitet wird das Ganze von einem deutlich sichtbaren Grundrauschen beim Niederschlag, das je nach Region und Tag mal mehr, mal weniger ausgeprägte Minima oder Maxima aufweist. Typisch für die derzeit noch vorhandenen Prognoseunsicherheiten in Bezug auf Raum, Zeit und Intensität der bestimmenden Systeme.

Zu den Clustern, die im ersten Fenster T+72...96h (Freitag/Samstag) mit drei Fenstern aufwarten. Alle zeigen den o.e. Zwischenhocheinfluss und alle sind dem Regime "NAO+" zugeordnet. Letzteres ändert sich mit dem nächsten Zeitschritt nicht, allerdings werden von Sonntag bis Dienstag (T+120...168h) satte fünf Schubladen aufgemacht. Dabei wird schnell deutlich, dass der Grundcharakter der bevorstehenden Witterung (atlantischer Mildeinfluss) unstrittig ist. Wie bereits erwähnt, sind es die Phasen usw., die noch nicht in trockenen Tüchern sind. Auch in der erweiterten Mittelfrist ab Mittwoch (T+192...240h) werden fünf Lösungen angeboten. Dabei kristallisieren sich gewisse Grundmuster heraus: CL 1 und 2 (insgesamt 30 Ensembles + HRES) bevorzugen die Annäherung des Troges plus Nordseetief. CL 3 (15 Mitglieder) versucht es noch mal mit einer Blockierung (Rücken Mitteleuropa) ähnlich der GEM- respektive der gestrigen GFS-Lösung. Zum Ende hin greift aber auch hier der Trog über, wenn auch deutlich abgeschwächt. CL 4 und 5 (11 Fälle) belassen es bei einer vergleichsweise glatten Höhenströmung (NAO+), bei der die Frontalzone mal recht weit nördlich (CL 4 mit 6 Vertretern), mal weiter südlich (CL 5 mit 5 Vertretern) verläuft. Kurzum, der Spielraum, welches GWL-Muster sich im Laufe der zweiten Wochenhälfte einstellt, ist noch ziemlich groß.

FAZIT: Die bereits gestern schon für das Wochenende proklamierten Herrschaftsansprüche des Atlantiks nebst substanzieller Milderung werden mit dem heutigen Lauf modellübergreifend und auch probabilistisch bestätigt. Dass dabei hinsichtlich Phase, Timing und Intensität der beteiligten Systeme noch reichlich Luft nach oben ist, liegt im Rahmen mittelfristiger Vorhersagen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Übergang im Norden und Osten nochmals eine Glatteislage mit sich bringt (Nacht zum Samstag bis in den Vormittag), mögliche Unwetter inklusive.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

GLATTEIS: Mit Übergreifen der ersten Störungen und damit einhergehender Milderung, die sich zunächst vor allem niedertroposphärisch, langsamer bodennah bemerkbar macht, besteht ab der Nacht zum Samstag bis in den Vormittag im Norden und Osten Glatteisgefahr durch gefrierenden Regen. Danach sollte sich das Thema aufgrund der guten Durchmischung (=> bodennahe Milderung) weitgehend erledigt haben.

STRENGER FROST: In der Nacht zum Samstag besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für strengen Frost etwas unter -10°C insbesondere in den Tälern von Erzgebirge und Bayerischem Wald. Voraussetzung ist längeres Aufklaren, was im Falle eines beschleunigten Übergreifens der Fronten von Westen her gefährdet sein könnte.

WIND/STURM: Ab dem Wochenende besteht an der See sowie im höheren Bergland durchweg das Potenzial für stürmischen West-Südwestwind mit Spitzen 8 bis 9 Bft. Ob es auch mal für mehr reicht, sprich, für eine überregionale Sturmlage Marke Spätwinter, kann nicht ausgeschlossen werden, auch wenn die Modelle diesbezüglich noch nicht wirklich was auf dem Schirm haben. Offensichtlich ist die Frontalzone etwas zu weit nördlich positioniert und vielleicht auch nicht ausgeprägt genug bzw. bei uns etwas zu antizyklonal konturiert. Abwarten!

Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix mit IFS-EPS und Modellmix.



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Jens Hoffmann