Weather-Basic-Care -- D E M O
Blick aufs Wetter von Baden-Württemberg und Deutschland
Die Daten werden vom Deutschen Wetterdienst bereitgestellt.
Heute ist Sonntag, 04. Januar 2026 - 18:04 Uhr
Synoptische Übersicht - Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 04.01.2026 um 10.30 UTC
Auflösung der Atlantikblokade: Zunächst winterlich. Dann Übergang in eine Westwetterlage mit Sturmpotenzial am Freitag.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 11.01.2026
Zu Beginn des Mittelfristzeitraums am Mittwoch hat sich das atlantische Blocking, das bis Grönland reichte, weitestgehend abgebaut. Übrig geblieben sind ein noch kräftiges Azorenhoch und eine positive Geopotenzialanomalie über Grönland. Somit hat der Umbau der Wetterlage begonnen. Ursache dafür war eine negative Temperaturanomalie über Ostkanada, die über dem Westatlantik Zyklogenese auslöste und somit den Block angreift. Die Zirkulation über dem Atlantik driftet nun in Richtung NAO-positiv.
Zur Mitte der Woche liegt noch ein ausgeprägter Langwellentrog über Zentraleuropa. Er reicht mit seiner Achse weit nach Süden bis nach Algerien. Dabei ist bei uns eine gealterte subpolare Luftmasse wirksam (850-hPa-Temperatur ~ -7 °C.). Ein flaches Tiefdruckgebeit liegt nach dem IFS-Hauptlauf über dem Nordwesten Deutschlands und sorgt in der Nordwesthälfte für Schneeschauer.
Bis Donnerstag baut sich im Seegebiet zwischen Irland und Skandinavien niedriges Geopotenzial auf. Damit verbunden ist ein breiter sich amplifizierender Kurzwellentrog über dem Atlantik, an dessen Vorderseite südlich von Irland eine rapide Zyklogenes ausgelöst wird. Vorderseitig dreht die Strömung über West- und Mitteleuropa auf West bis Südwest, wodurch massive Warmluftadvektion in Gang gesetzt wird. Der europäische Langwellentrog wird somit rasch nach Osten verdrängt, sodass die Warmfront laut IFS bereits auf den Westen Deutschlands übergreifen kann. Dabei geht der Schnee rasch in Regen über.
Am Freitag hat sich der Kurzwellentrog zu einem Langwellentrog amplifiziert, der Westeuropa erfasst. Das zugehörige, sich rasch entwickelnde Sturmtief greift dann voraussichtlich mit seinem Kern auf den Nordwesten Deutschlands über. Es besteht Potenzial für schwere Sturmböen und kräftige Schneefälle mit Verwehungen auf dessen Nordostflanke. Ansonsten gelangt aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest der Süden und die Mitte in den Bereich des weit geöffneten Warmsektors mit 850-hPa-Temperaturen um +1 °C. Auf weitere Details soll hier verzichtet werden, da die Lage noch sehr unsicher ist.
Zum Wochenende überquert das Tief unter Abschwächung die Nordhälfte ostwärts nach Polen, sodass wir auf dessen Rückseite gelangen. Dadurch wird erneut arktische Kaltluft angezapft. Unter Trogeinfluss kommt es wieder zu zahlreichen Schnee- und Graupelschauern. Wie lange diese Rückseite anhält, ist noch unsicher. Laut dem IFS und vielen anderen Globalmodellen bildet sich erneut ein Tiefdruckkomplex über dem Atlantik, auf dessen Vorderseite Warmluft nach Mitteleuropa gelangt.
IFS simuliert dann ab Beginn der neuen Woche dann eine niederschlagsreiche und windige Westwetterlage, mit 850-hPa-Temperaturen von 0 °C im Norden und 0 bis 5 °C im Süden.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Position und Stärke des Sturmtiefs werden von den Vorläufen jeweils unterschiedlich bewertet. Betrachtet man jedoch den erweiterten Mittelfristzeitraum ab nächster Woche, so zeigt sich, dass die IFS-Ensembles bei den 850-hPa-Temperaturen einen deutlichen Sprung nach oben gemacht haben.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Im Vergleich zu den anderen Modellen sind bereits am Mittwoch Unterschiede in der genauen Position und Tiefe des kleinen Tiefdruckgebiets über Nordwestdeutschland erkennbar. Dies hat Auswirkungen auf die Position und Intensität der Schneeschauer.
Das Sturmtief am Freitag wird von allen anderen numerischen Modellen simuliert. AIFS berechnet allerdings nur eine flache Welle über Süddeutschland. Auch andere KI-Modelle wie Pangu-Weather und ForeCastNet haben das Sturmtief nur angedeutet.
Die Rückseite am Samstag wird dann wieder von allen Modellen berechnet. Allerdings rechnen vor allem die KI-Modelle bereits für Sonntag mit einem erneuten Westdurchbruch.
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen zeigen am Freitag eine deutlichere Streuung bei den 850 hPa-Temperaturen, besonders im Norden und Nordosten. Der Hauptlauf ist hier einer der wärmeren Varianten. Nach Durchsicht aller Pertubationen ziegen sowohl im IFS und auch im GFS der überwiegende Anteil eine Sturmtieflösung. Dennoch zeigen einige Member auch die Wellenlösung, die von den AI-Modellen favorisiert wird.
Auch die Rückseite mit erneuter arktischer Kaltluft wird von den Ensembles unterstützt. Danach machen die neuen IFS-ENS einen deutlichen Sprung nach oben im Vergleich zu den ENS der vergangen Tage. Dabei treten vermehrt Niederschlagssignale. Die Westwetterlage wird dann in der erweiterten Mittelfrist dann auch von nahezu allen Clustern simuliert. Nur ein Cluster mit 4 Mitgliedern zeigt eine erneutes Aufbauen des Atlantikblocks. Allerdings soll in allen Clustern die positive Geopotenzialanomalie über Grönland und den nördlichen Nordmeer erhalten bleiben sodass südliche Zugbahnen der Tiefdruckgebiet forciert werden könnten und wir zumindest Zeitweise in die Kaltluft auf Tiefrückseiten gelangen können. Auch die Sub-Saisonale Vorhersage des IFS reagiert auf diesen Trend mit einer wahrscheinlichen positiven Temperaturabweichung über West-Mittel- und Südeuropa.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Sturmtiefentwicklung mit Milderung im Süden und in der Mitte wahrscheinlich, aber noch nicht sicher ist. Die Wellenlösung ist auch auf Grund der langen Vorhersagedauer noch nicht vom Tisch.
Danach gibt es sehr Wahrscheinlich eine Rückseite am Wochenende mit nochmals winterlichem Wetter.
Der Übergang in eine Westwetterlage zu Beginn der nächsten Woche gilt nun als das wahrscheinlichste Szenario.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Je nach Zugbahn des Sturmtiefs sind (schwere) Sturmböen und im Bergland orkanartige Böen wahrscheinlich. Die Entwicklung eines Orkantiefs mit verbreitet orkanartigen Böen im Tiefland gilt hingegen als unwahrscheinlich.
In der Nacht zum Freitag und am Freitag kann es mit der Warmfront zu gefrierendem Regen kommen. Allerdings wird in fast allen Modellen eine rasche Durchmischung berechnet.
Je nach Zugbahn und Intensität sind an der Nordostflanke des Sturmtiefs am Freitag kräftige Schneefälle mit Verwehungen bis in den Unwetterbereich möglich.
Auf der Tiefrückseite sind am Samstag vorwiegend in den Nordstaulagen einiger Mittelgebirge markante Schneemengen möglich. Des Weiteren besteht die Gefahr von Graupelgewittern mit Sturmböen.
Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-ENS, ICON, MOSMIX
VBZ Offenbach / Dipl.Met. Christian Herold